Aktionswoche zum Thema Armut macht krank 2003

+++ 10. bis 20. März 2003 +++



Armut macht krank!

Unter diesem Thema stand die österreichweite Aktionswoche von 10. bis 20. März 2003. In Vöcklabruck wies das Armutsnetzwerk auf die oft verdrängte und versteckte Armut in unserem Bezirk hin. Verschiedenen Statistiken zufolge steigt die Krankheitsrate jener Personen, die über weniger Bildung und folglich auch niedrigere Positionen im Berufsleben verfügen. Daraus resultiert auch eine niedrigere Lebenserwartung dieser Personen. Wesentlich für unsere Gesundheit sind die Teilhabechancen jedes einzelnen Menschen an Wissen, Bildung, Macht, Arbeit, Geld, Prestige. Wem der Zugang zu diesen gesellschaftlichen Gütern erschwert oder auch unmöglich gemacht wird, dem werden Lebenschancen und Lebensglück und demnach auch ein gesundes Leben vorenthalten. Wer weniger Bildung hat, hat zumeist auch geringere Chancen am Arbeitsmarkt, ist öfter von Arbeitslosigkeit betroffen, ist am Arbeitsplatz meist auch größeren Belastungen ausgesetzt und bekommt für die geleistete Arbeit weniger Lohn. Dies wiederum bedingt meist eine schlechtere Wohnsituation und auch finanzielle Einschränkungen hinsichtlich gesunder Ernährung, ausgleichender Freizeitgestaltung oder teurer Ausgaben wie Zahnsanierungen.


Welches Gesundheitssystem wollen wir?

Diese Frage stand im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung „Gesund – heit und morgen“ am 12. März in der Arbeiterkammer. Das wohlfahrtsstaatliche Modell sei überholt, heißt es, private Vorsorge ist „in“. Der Sozialexperte Dr. Tom Schmid betonte, dass ein privates System um einiges teurer ist. In der sozialen Krankenversicherung fließen von 100 Euro an Beiträgen 96 wieder in Form von Leistungen an die Versicherten zurück, in der privaten Krankenversicherung dagegen nur 75 von 100 Euro.

Kein Ausverkauf des Wassers

Das Armutsnetzwerk Vöcklabruck machte beim Wasserspeicher Pfarrerfeld in Vöcklabruck auf die fatalen Folgen der Liberalisierung von öffentlichen Diensten durch das Welthandelsabkommen GATS aufmerksam. Am Beispiel der Wasserversorgung in Großbritannien und Frankreich zeigt sich, dass private Anbieter teurer und zu schlechterer Qualität anbieten. Besonders betroffen sind die Armen. Private Unternehmen verlangen nicht nur höhere Preise, sondern drehen auch den sprichwörtlichen Wasserhahn sehr rasch ab, wenn Rechnungen nicht bezahlt werden. Das Armutsnetzwerk fordert von der Bundesregierung einen Verhandlungsstopp des GATS und die Verbesserung öffentlicher Dienste statt deren Ausverkauf.