
Immer mehr wohnungslose Jugendliche

Immer mehr Jugendliche und Junge Erwachsene in den Bezirken Vöcklabruck
und Gmunden sind von Wohnungslosigkeit (Obdachlosigkeit) betroffen. ExpertInnen
in der Jugendarbeit und der Wohnungslosenhilfe haben sich im „Arbeitskreis
Jugendnotschlafstelle“ zusammen gefunden, machen auf die Problematik
aufmerksam und arbeiten an Lösungen. Es gab bereits zwei Erhebungen wie
viele Jugendliche betroffen sind.
Erhebung 2009 (6 Monate - Zeitraum 1.1. bis 30.6.2009, Daten von 8 Einrichtungen,
14 bis 25 Jährige, Bezirke Vöcklabruck und Gmunden)
• 59 Jugendliche/Junge Erwachsene
• 41 Burschen, 18 Mädchen,
• Altersverteilung: bis 18 Jahre: 27 (46 %), bis 21 Jahre: 43 (73 %)
• Gründe: Familiäre Situation (80 %), Finanzielle Situation
(27 %), Drogen (22 %), Gewalt: 14 %
• Wohnsituation: Elternhaus/Verwandte (58 %), Freunde/Bekannte (24 %),
obdachlos (17 %)
• Vermittlung einer Unterkunft: keine (49 %), Sozialeinrichtungen (22
%), Verwandte/Eltern (19 %), Wohnung (10 %)
Immer mehr Jugendliche in der Notschlafstelle für Erwachsene
Die Zahl der unter 25 jährigen ist in den letzten Jahren stark angestiegen.
2009 waren 20 % der in die Notschlafstelle aufgenommen unter 26 Jahren. „Wir
sind aber eine Notschlafstelle für Erwachsene. Jugendliche haben andere
Problemlagen und brauchen eine speziell auf die Altersgruppe abgestimmte Betreuung.
Das Zusammenleben mit älteren, teilweise suchtkranken Obdachlosen ist
daher problematisch“, betont Mosaik-Leiter Stefan Hindinger.
Ein (ehemals) Betroffener berichtet
Alexander (Name geändert) war vor einem Jahr mit 18 Jahren eine Woche
lang von akuter Wohnungslosigkeit betroffen.
Alexander kommt aus einer großen Familie mit fünf Geschwistern.
Beide Eltern sind berufstätig. Die Handelschule bricht Alexander nach
zwei Jahren ab. Aus Langeweile und Profilierungsgründen haben Alexander
und seine Freunde Raufereien angefangen. Eine gerichtliche Verurteilung, Gefängnisaufenthalt
und der Einsatz einer Bewährungshelferin sind die Folge. Diese vermittelt
ihm einen Lehrplatz. Nach einer exzessiven Party in der elterlichen Wohnung
wird er vor die Tür gesetzt. Zwei Tage verbringt er auf der Straße
bzw. in einer Bushaltestelle und in einem öffentlichen WC und „landet“
schließlich im Jugendzentrum. Nach gut einer Woche und klärenden
Gesprächen kann er wieder ins Elternhaus zurück. In die Arbeit ist
er auch in der Zeit der Wohnungslosigkeit gegangen.
Ursachen von Wohnungslosigkeit
Paul Pupp hat an der FH Oberösterreich (Studiengang Sozialarbeit) eine
Diplomarbeit „Wohnungslose Jugendliche und junge Erwachsene in der Region
Traunviertel-Salzkammergut. Eine Herausforderung für die Sozialarbeit“
geschrieben und sich mit den Ursachen von Wohnungslosigkeit auseinandergesetzt:
Nicht immer haben Jugendliche und junge Erwachsene ein Zuhause, einen sicheren
Ort von dem aus sie den Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter gut
schaffen können. Die Ursachen für und die Erscheinungsformen von
Wohnungslosigkeit sind sehr verschieden. Die Dauer reicht von einigen Tagen
auf der Straße, bis zu einigen Monaten. Manche kehren gar nicht mehr
zu ihrer Familie zurück.
Die Ursachen liegen teils in belastenden Familiensituationen wie Streit und
Gewalterfahrungen zu Hause.
Aber auch Faktoren wie Alkohol- oder Drogenprobleme oder nicht ausreichende
emotionale Zuwendung und Anerkennung lassen sich in Biographien von wohnungslosen
Jugendlichen finden. Die selbständige Flucht, oder ein „Rausschmiss“
sind meist der Beginn einer Odyssee auf der Suche nach einem neuen Zuhause.
Notwendigkeit von Unterkünften in der Region
Berhard Brunner vom Jugendzentrum Checkpoint ist einer der Experten des „Arbeitskreises
Jugendnotschlafstelle“, einer Plattform aus Einrichtungen wie pro mente,
Wohnungslosenhilfe Mosaik, Soziale Initiative, Bewährungshilfe, Jugendwohlfahrt
u. a. Er betont die Notwendigkeit von Unterkünften in der Region: Krisenwohnungen
oder eine Notschlafstelle als niederschwellige Anlaufstelle und sozialpädogisch
betreute Wohnungen.